Eine Show in dieser Dimension zu planen und umzusetzen war eine großartige und herausfordernde Erfahrung. Viele Besucherinnen und Besucher – auch manche aus der Branche – waren über den extremen Aufwand, den wir für eine „Halbplayback Show“ mit ein „paar Mikros“ betreiben, verwundert. Tatsächlich aber kamen insgesamt 64 HF Mikros Sennheiser 9000 zum Einsatz, die Playbacks bestanden aus 32 Spuren und dazu gab es noch ca. 30 Kanäle mit diversen Zuspielungen und Kommunikation. Und das sind jetzt nur ein paar Eckzahlen, die veranschaulichen sollen, in welcher Größenordnung dieses Projekt angesiedelt war.

 

   

Copyright  Gerhard Jansa


Bereits im November 2014 wurde aufgrund der Ausschreibung das generelle Konzept entwickelt und nach definitiver Auftragserteilung im Jänner 2015 mit den anderen beteiligten Gewerken effektiv abgestimmt.

Zunächst wurden an Hand der vorliegenden Pläne die von uns gewünschten Positionen für die Line Arrays und einzelnen Speaker in 3D an Matthias Kublik von wiederdesign (die Firma, die für die Bühne verantwortlich zeichnete) übermittelt, der sie in den gesamten Rendering Plan einzeichnete und aus allen Perspektiven heraus kontrollierte. Aus unseren ersten Simulationen mit den Plänen der aus Stelebögen bestehenden Bühnekonstruktion ergab sich allerdings die Problematik, dass unter Berücksichtigung der Sichtlinien die Lautsprecherunterkante in einer Höhe von in etwa zwölf Metern liegen würde. Über die tatsächliche Abstimmung zwischen unseren Erfordernissen und denen der Bühnenkonstruktion wurde in Zentimeterschritten gefeilscht, sodass wir schlussendlich eine Lautsprecherunterkante von 11,38 Meter kamen.

 

 

 

Die größte akustische Herausforderung war, aus dieser Höhe einen guten Ton im unmittelbaren Bereich vor der Bühne zu erzielen. Wir verwendeten dazu JMP1P und Melodie als Frontfill.



Die Bühne selbst bestand aus ca. 1.500 Aluminiumröhren mit einem Durchmesser von 20 cm und einer Länge zwischen vier und zwölf Metern. Da keinerlei Erfahrungswerte vorlagen, ob und in welcher Weise diese Röhren die Akustik in der Stadthalle beeinflussen könnten, wurden von uns Anfang März in Holland Messungen durchgeführt, die aber belegten, dass die Röhren keine Eigenschwingungen aufwiesen.

 

Für das Monitoring wurde im Rehearsal Room die Voreinstellung des In Ear Mixes vorgenommen, das File zum Bühnnenmonitor-Pult transferriert, die Feinjustierung erfolgte dann on Stage.

 

Um im Rehearsal Room die akustischen Bedingungen der „richtigen“ Bühne so realistisch wie möglich wiederzugeben, verwendeten wir einen Lexicon Lares (siehe Artikel auf der Homepage), der es ermöglichte, über UPM1 und Subwoofer die Bühnensituation zu simulieren. Um Verwirrung bei den einzelnen Delegationen ob des dadurch entstandenen Sounds vorzubeugen, brachten wir folgende Hinweise im Rehearsal Room an:

„This ist not the PA Sound!

These speakers are supposed to simulate the of axis sound of the PA system that you will hear on the stage.

This helps us to prepare your In Ear mix as accurately as possible for your first rehearsal.”


Ein sehr wichtiger Punkt in der Ausschreibung lag in der Ausfallssicherheit der Systeme. Unser Konzept, basierend auf den von uns verwendeten Midas Mischpulten der PRO Serie, sah vor, dass der FOH Platz mit zwei primären Mischpulten und zwei redundanten Mischpulten (Backups) ausgestattet wurde, wovon jeweils eines nur für das Playback und Gesangmikrofone zuständig war und das zweite die Moderationen und MAZ Zuspielungen abwickelte. Dadurch konnte sich der Operator am jeweiligen Pult optimal auf seine Aufgabe konzentrieren.

Alle Eingangskanäle speisten sowohl die Hauptmischpulte als auch die redundanten (Backup) Mischpulte.

Alle Mischpult – auch die Monitorpulte – wurden über eine eigene Stagebox versorgt, dadurch musste bei Auftreten eines Fehlers bei der FOH Stagebox nicht auch das Monitoring auf das redundante Pult umsteigen.

Die Ausgänge der Mischpulte wurden zwei Meyer Sound Galileos und drei Callistos zugeführt, die das Lautsprechermanagement übernahmen (diese waren natürlich auch doppelt vorhanden). Für die Zusammenführung dieser Ausgänge sahen wir spezielle Combinder und A/B  Switches vor.

Alle Mischpulte, Splitter und andere Geräte wurden von entsprechend dimensionierten
USV-Einheiten spannungsmäßig versorgt.

 

Eine weitere Herausforderung ergab sich durch den sogenannten „Green Rooms“, in dem die Moderationen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Song Contests stattfanden. Dieser Green Room wurde auf der Ost Tribüne errichtet, in ca. 40 m Entfernung von der Bühne. Die Schallwellen der Main PA hätten demnach mit einer Verzögerung von ca. 120 ms auf die Mikrofone der Moderatorinnen und Moderatoren getroffen und bei dem Sendungston ein Echo hervorrufen können. Daher war es bei den Moderationen und Interviews im Green Room notwendig, ein Sprachsystem in der Höhe des Green Rooms  zu installieren und bei Modera­tionen die Beschallungsrichtung umzudrehen. So wurde einerseits eine realitätskonforme Perzeption für das Publikum ermöglicht, andererseits konnte man diese Lautsprecher bei Bühnenbeschallungsrichtung auch als zusätzliche Effektlautsprecher einsetzen.

Zusätzlich zu den eigens dafür vorgesehenen Lautsprecher (Melodie Line Array’s und MSL6) wurden die Delay Lautsprecher der Main PA als „Null Zeit“ Systeme für Moderationen im Green Room eingesetzt. Die Umsetzung erfolgte durch Meyer Sound Galileos, die über Summierverstärker (Combinder) zusammengeführt wurden.



A / B Switch und Combinder

 

Für das völlig geräuschlose Umschalten zwischen primären und redunanten Pulten also für das Umschalten der Ausgänge der Main Galileo‘s und Calisto‘s auf das Backup benötigten wir Umschalteinheiten, die aber so am Markt nicht hergestellt werden. Daher mussten wir  spezielle A/B Switches entwickelt, die sowohl die Möglichkeit bieten, beliebig viele Einheiten zu verlinken, als auch über eine doppelte Ausführung der Netzteile verfügen und auch bei Stromausfall in der vorgewählten Richtung bleiben. Auch die Combinder, die verwendet wurden, um den Green Room komplett aus zwei Richtungen zu beschallen, wurden mit diesen A/B Switches versehen.

 

Die Umsetzung dieses Projekts war nur möglich durch die Auswahl und den persönlichen Einsatz

aller Mitarbeiter unseres Teams.

 

Stefan Schlögl: Konzept / Sounddesign / Projektmanagement

Erich Dorfinger: Projektorganisation

Robert Bastecky: System Patch

Thomas Hasenauer: Midas Systemtechniker

Andreas Frei: FOH Musik Mix

Jupp Prenn: FOH Maz und Moderation

Manuel Schimanek: FOH A und B Mix

Gerald Schubert: Monitoring

Alexander Bossew: Monitoring

Christina Bauer: Monitoring

Hans Schimanek: System set up

Guido Kneussel: System set up

 

Links

http://www.eurovision.tv/page/news?id=an_overview_of_the_viewing_room

 

http://www.meyersound.com/news/2015/eurovision_song_contest/