Delta-Stereofonie-Prozessor DSP 610

Richtungsbezogene Beschallung

Wer kennt nicht den Effekt, dass bei zahlreichen Musical- und Theaterproduktionen die optische und akustische Wahrnehmung der Darbietung nicht übereinstimmt. Das heißt, wenn ein Sänger oder Schauspieler sich auf der linken Bühnenseite unseres Hörplatzes befindet, nur ein wenig außerhalb der Mittenachse rechts, dann werden wir das verstärkte Tonsignal nur aus den rechten Lautsprecher wahrnehmen.

Durch den Einsatz einer speziellen Verzögerungstechnik der Delta Stereophonie – Technik, kann die Richtungsinformation erhalten bleiben. Basierend auf dem fundamentalen Gesetz der ersten Wellenfront werden die Verzögerungszeiten der einzelnen Lautsprecher für einen bestimmten Hörerplatz im Saal so eingestellt, dass der Originalschall als Erster beim Hörerplatz eintrifft. Bleiben die nachfolgenden Lautsprechersignale innerhalb bestimmter Pegel und Zeitbereiche so bleibt der Richtungs- und Entfernungseindruck entsprechend der tatsächlichen Position der Schallquelle erhalten. Für mehrere Schallquellen und verschiedene Hörbereiche ergibt sich ein Matrixsystem von Verbindungen (Schallquellen – Lautsprecher), die unterschiedliche Verzögerungen und Dämpfungen aufweisen. Die Berechnung der notwendigen Verzögerungs- und Pegelwerte erfolgt in einem Optimierungsverfahren für eine Reihe signifikanter Hörplätze. Dadurch wird über einen weiten Bereich im Saal ein richtungs- und entfernungsgetreuer Höreindruck erzielt.

Haas-Effekt und Präzedenz-Effekt (Gesetz der ersten Wellenfront)

Der Name "Haas-Effekt" geht auf die grundlegenden Untersuchungen von Helmut Haas aus dem Jahre 1951 zurück: "Über den Einfluss eines Einfach-Echos auf die Hörsamkeit von Sprache", Acustica 1, 1951, S. 49. Es ist die Bezeichnung für bestimmte Gesetzmäßigkeiten bei der Lokalisation von Hörereignissen bei Einwirkung eines Direktsignals (Primärsignal) und einer einzelnen (!) Reflexion (zeitverzögertes Sekundärsignal).

Er fand heraus, dass für Verzögerungszeiten zwischen 10 ms und 30 ms = 20 ms ±10 ms gilt, dass eindeutig der zuerst einfallende Schall für die Lokalisation des Schallsenders maßgeblich ist, und zwar völlig unabhängig davon, aus welcher Richtung der verzögerte Schall eintrifft. Man hört trotzdem nur eine Schallquelle. Bei Laufzeitdifferenzen ∆ t größer 40 ms wird langsam das Vorhandensein von getrennten Schallreflexionen bemerkt, doch lokalisiert man die Schallquelle nach wie vor aus der Richtung des zuerst einfallenden Schalls, wenn der Pegel der Reflexion = Pegel des Direktsignals ist.

Haas Effekt


Die Abbildung zeigt die prinzipielle Anordnung eines Delta-Stereofonie-Systems. Auf diese Weise können beliebig viele unterschiedliche Quellenrichtungen für alle Zuhörerplätze richtungs- und entfernungsgerecht abgebildet werden. Ebenso können sich Schallquellen zwischen den einzelnen Quellbereichen hin- und herbewegen - dies erfordert jedoch geeignete Nachführeinrichtungen.Die Verzögerungszeiten werden dabei so bemessen, dass an allen Zuhörerplätzen der Schall von dem Lautsprecher, der den geringsten Abstand bzw. Winkelabweichung zwischen Hörposition und Originalquelle aufweist, früher an der Hörposition eintrifft als der Schall aller übrigen Lautsprecher, jedoch später, als der betreffende Originalschall (bzw. dessen Nachbildung durch einen Quellen-Simulationsstrahler).